(K)eine Zukunft ohne Kooperation und Destinationsbildung?

Flurina Simeon Marketing und Kommunikation
Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

Graubünden – vor allem die Tourismus-Branche – soll am Abgrund stehen. Dem ist nicht so, den Herausforderungen kann begegnet werden. Eine Gotthard Destinations-Management-Organisation (DMO) würde die Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft von Andermatt, Disentis und Sedrun stärken. Diesen Schluss legen Forschungsergebnisse der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur nahe.

Alpine Regionen stärken ihre Resilienz gegenüber Umweltveränderungen, also ihre Anpassungsfähigkeit z.B. an den Klimawandel, und ihre wirtschaftliche Innovationskraft, in dem die Akteure und Akteurinnen in der Region mehr kooperieren. Kooperationen sollten zwischen allen Sektoren gestärkt werden, denn je diverser und flexibler ein soziales Netzwerk ist, wie etwa das einer Gemeinde, desto resilienter ist es. Aktuelle Forschungsergebnisse des Instituts für Tourismus und Freizeit ITF der HTW Chur aus der Region Obere Surselva-Gotthard belegen, dass darüber hinaus Kooperationen von Gemeinden auf regionaler Ebene die Innovations- und Adaptionsfähigkeit der Regionen als Ganzes stärken können.

Der Zusammenschluss von Gemeinden auf regionaler Ebene, wie in diesem Beispiel von Disentis, Sedrun und Andermatt zu einer Gotthard DMO (Destinations-Management Organisation), würde die Resilienz der einzelnen Gemeinden stärken. Im Rahmen von sozialen Netzwerkanalysen wurden die Innovations- und Adaptionsfähigkeiten der drei Gemeinden mit der einer angedachten regionalen Gotthard DMO verglichen. Ein Zusammenschluss der Gemeinden zu einer Gotthard DMO würde die sozialen Netzwerke diverser gestalten, da die Zahl und Art der kooperierenden Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft und öffentlichem Sektor in der Region bereits heute höher ist als in den einzelnen Gemeinden. Aus dieser grösseren Vielfalt von Beteiligten ergeben sich andere Möglichkeiten der Vernetzungen; diese führen nicht nur zu mehr Vielfalt, sondern auch zu mehr Flexibilität, denn je mehr Kooperationen ein Akteur/eine Akteurin hat, desto flexibler können diese aktiviert oder deaktiviert werden. Damit wird mehr Anpassung an Veränderungen möglich, aber auch mehr Innovation für die Entwicklung zukunftsfähiger Geschäftsideen und -modelle.

Hans-Kaspar Schwarzenbach, Geschäftsleiter von Sedrun Disentis Tourismus, ist überzeugt, dass eine verstärkte Kooperation für die Region sehr wertvoll wäre. «Sobald die Skiverbindung zwischen Andermatt und Sedrun fertiggestellt ist, besteht die Möglichkeit eines erneuten Versuchs für eine gemeinsame DMO. Ebenfalls wichtig wäre ein gemeinsames Sommerprodukt. Das Inclusive-Angebot für Gäste von Disentis und Sedrun, welches die Nutzung der Bergbahnen, des Bades, des Sportzentrums sowie die Strecke von Disentis bis Oberalp der Matterhorn Gotthard Bahn beinhält, könnte auf Andermatt ausgeweitet und dadurch auch den Gästen von Andermatt zur Verfügung gestellt werden.»

Erfolgreiche «Kreislaufwirtschaft»
Wie solche Zusammenschlüsse zu einer DMO auf regionaler Ebene gestaltet und gesteuert werden, ist dabei von besonderer Bedeutung. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass ein resilientes Gouvernanzmodell (rechtlicher und organisatorischer Rahmen) einer regionalen DMO auf der einen Seite durch ein diverseres Netzwerk insgesamt mehr Möglichkeiten der Innovation und Adaption bewirkt. Die zentrale Koordination und Steuerung von Anpassungs- und Innovationsprozessen auf regionaler Ebene ist besonders sinnvoll für mittel- bis langfristige Massnahmen, wie etwa der Diversifizierung der vom Wintertourismus abhängigen Wirtschaft hin zu einer stark vernetzten «Kreislaufwirtschaft», bei der Akteure und Akteurinnen ganz unterschiedlicher Sektoren zusammen neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln: aus der Nutzung des Rest-/Abfallstoffes eines Produktes entsteht ein neuer Produktkreislauf, bei dem der Mehrwert durch Synergien aus solch neuen Kooperationen entsteht.

Kurzfristige und schnelle Massnahmen, wie etwa die Reaktion auf eine akute Bedrohung (Bsp. extreme Wetterereignisse), werden jedoch effizienter und effektiver auf der Gouvernanzebene der Gemeinden gesteuert. Was die regionale DMO als diverseres Netzwerk mit zentraler Steuerfunktion langfristig an höherer Innovationskraft und kurzfristiger Anpassungsfähigkeit ermöglicht, hängt entscheidend davon ab, dass die höhere Flexibilität und Schnelligkeit der Gemeinden als Handlungseinheiten für kurzfristige Aktionen erhalten bleiben.

Innovation dank Kooperation
Die beiden Autoren der Studie, Prof. Dr. Tobias Luthe (HTW Chur) und Dr. Romano Wyss (EPFL Lausanne), weisen darauf hin, dass Innovation am besten in Zusammenarbeit entsteht: neu in die Region kommende Akteurinnen und Akteure sowie weniger gut vernetzte oder wirtschaftlich nicht sehr bedeutende Personen haben oftmals hohes kreatives Potential, welches es vermehrt zu nutzen gilt. Dies kann dadurch erfolgen, dass die wirtschaftlich sehr bedeutenden, etablierten und stark vernetzten Organisationen und Personen solche Akteurinnen und Akteure vom «Rande» des sozialen Netzwerkes besser integrieren und sie einladen, mitzugestalten. Nur so kann das innovative Potential einer Gemeinde und Region genutzt und deren Resilienz gestärkt werden. In sozialen Netzwerken wie etwa Gemeinden und Regionen ist der Erfolg des oder der Einen vom Erfolg des oder der Anderen abhängig – das Gefühl der Missgunst sollte dabei nicht existieren, denn von einer Stärkung der Einzelnen profitieren alle.

Anpassungsfähigkeit von den Alpen bis zur Arktis
Die Ergebnisse sind Teil des internationalen Forschungsprojektes ArcAlpNet, welches die Anpassungsfähigkeit von Gemeinden in den Alpen und der Arktis untersucht. Unter der Leitung des ITFs der HTW Chur untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es bei einer stetig wechselnden Bevölkerung im Vergleich zu einer sehr stabilen und regional geprägten Region bei der Anpassungsfähigkeit an klimatisch und ökonomisch bedingte Veränderungen ergibt.

Das Institut für Tourismus und Freizeit ITF erforscht das Mensch-Umwelt System Tourismus in seinen ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Ausprägungen und Interaktionen. Die thematischen Schwerpunkte in der inter- und transdisziplinären Forschung haben einen engen Bezug zu alpinen Destinationen und ihrer Einbettung in die Landschaft, zu Konsumentenverhalten, zur Einwirkung von Umweltveränderungen auf den Tourismus und den daraus resultierenden Anpassungs- und Vermeidungsstrategien, sowie zu allgemeinen und methodischen Fragen der nachhaltigen Entwicklung, wie beispielsweise zur Komplexität und zur Messbarkeit von Nachhaltigkeit.

Weitere Auskünfte:
Luthe Tobias , Prof., Dr. phil., Dipl. Forstw., M.A. Sust.Educ.
Tel. +41 (0)81 286 39 81
Fax +41 (0)81 286 39 49
tobias.luthe@htwchur.ch

Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur ist eine innovative und unternehmerische Hochschule mit rund 1600 Studierenden. Sie bildet verantwortungsvolle Fach- und Führungskräfte aus. Als regional verankerte Fachhochschule überzeugt die HTW Chur mit ihrer persönlichen Atmosphäre über die Kantons- und Landesgrenze hinaus. Mit ihrer angewandten Forschung trägt sie zu Innovationen, Wissen und Lösungen für die Gesellschaft bei. Die HTW Chur bietet Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge in den Disziplinen Informationswissenschaft, Ingenieurbau/Architektur, Management, Multimedia Production, Photonics, Technik sowie Tourismus an. Die HTW Chur betreibt in allen Disziplinen angewandte Forschung und Entwicklung, führt Beratungen durch und bietet Dienstleistungen an. «Recognised for Excellence» mit vier Sternen im EFQM-Modell bestätigen die ganzheitliche Entwicklung der Fachhochschule. Die Fachhochschule ist zudem ISO 9001 und ISO 29990 zertifiziert. Als erste öffentliche Schweizer Hochschule ist die HTW Chur 2009 der Initiative der Vereinten Nationen für verantwortungsvolle Ausbildung im Management, den UN Principles for Responsible Management Education, beigetreten. Die Bündner Fachhochschule ist seit dem Jahr 2000 Teil der FHO Fachhochschule Ostschweiz. Bereits 1963 begann aber die Geschichte der HTW Chur mit der Gründung des Abendtechnikums Chur.


Weitere Informationen:

http://www.ecologyandsociety.org/vol21/iss1/art27/ – Beitrag in Englisch
http://www.htwchur.ch/ueber-uns/medien/medienmitteilungen/medienmitteilungen.htm… – ArcAlpNet
http://www.htwchur.ch/tourismus/forschung-und-dienstleistung/forschung.html – Institut für Tourismus und Freizeit ITF


Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
Meer / Klima, Politik, Umwelt / Ökologie, Verkehr / Transport, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
Deutsch

Source: (K)eine Zukunft ohne Kooperation und Destinationsbildung?

Job description

The NWO funded research project Social and spatial dynamics of smart cycling futures

Spatial and social environments mutually shape the mobility-related choices that people make. In one direction, such contexts may severely constrain people’s choices: e.g. high status of car ownership or long distances between urban functions making active forms of mobility less attractive. In the opposite direction, socio-spatial environments are also affected by these mobility choices: e.g. high cycling shares increase pressure for more finely grained location strategies for retailers or cycling role models may change specific cultural norms. These empirical and conceptual relations between social and spatial arrangements and mobility choices have been studied in the past. However, these studies systematically ignore or severely underestimate the specifics of the bicycle (i.e. its distinct speed, range, flexibility, agility, inter- activity, links with other modes). If the bicycle is mentioned, it is aggregated into ‘active modes’ or ‘non-motorized’ modes. The mature and long standing cycling tradition in the Netherlands provides a fertile base to add much-needed knowledge on this unsystematic state of affairs.

The full research programme proposal can be accessed here. This research project (Sub-project 2, on pages 28-31) aims to identify how spatial and social environments interact with individual mobility choices for or against cycling. It builds on recent cycling studies and tests more general theories on relations between mobility choices and socio-spatial characteristics. A trans- disciplinary team and research environment allows us to make use of methodological and epistemological triangulation. Furthermore, the PhD candidate will be part of a large and diverse consortium of public and private parties and as such will be actively involved in setting up and studying smart cycling innovations in four Dutch cities.

Source: PhD candidate for the project ‘Social and spatial dynamics of smart cycling futures’ – Universiteit van Amsterdam

This is a position to work in the multidisciplinary CORPNET research group, funded by the European Research Council through a Starting Grant and based at the Amsterdam Institute for Social Science Research, University of Amsterdam. You will be responsible to dr. Eelke M. Heemskerk.

Project description

Corporate Network Governance: Power, Ownership and Control in Contemporary Global Capitalism (CORPNET)

CORPNET seeks to do what has so far eluded existing scholarship: to fully explore the global network of corporate ownership and control as a complex system. Using cutting-edge network science methods, the project explores for the first time the largest database on ownership and control covering over 100 million firms. Exploiting the longitudinal richness of the new data in combination with state-of-the-art methods and techniques makes it possible to model and empirically test generating mechanisms that drive network formation.

PhD Project: What Drives Network Formation?

This subproject studies the generating mechanisms that drive the formation of corporate governance networks. The project builds a conceptual framework that tries to explain the formation and (dis)continuation of corporate board overlap through the strategies of the actors involved. It takes a bipartite approach and starts from the notion that the generating strategies of actors do not only take place at the firm-by-firm level but are essentially located at the firm-by-person level. The methodological approach is temporal modelling (for example, stochastic actor-oriented or temporal exponential random graph models), and the project will have to develop methods and algorithms to apply modelling on a very large scale.

Source: PhD candidate in Longitudinal Corporate Network Analysis – Universiteit van Amsterdam

Changing the World, One Small Step at a Time

Our belief that small actions ignite planet-sized change was the catalyst for Cool Effect—a platform that brings people together to support the world’s best carbon emission reduction projects.

Cool Effect is the platform. You’re the change Earth has been waiting for. Join the movement by supporting the top carbon-reducing projects in the world.

Source: Cool Effect

A virtual special issue featuring free access to impactful research from a multidisciplinary perspective

Source: 5 years after Fukushima — insights from current research

The Green IQ study surveyed 13.500 people in 13 nations on their thinking for sustainability. One result is that Turkey is the most “green” thinking nation followed by Austria and Italy…

Die Green IQ Studie zeigt, wie grün Menschen in verschiedenen Ländern denken – und im Alltag wirklich leben. Für diese Umfrage wurden rund 13.500 Menschen in 13 Nationen zu verschiedenen Themen wie Einkaufsverhalten, Mobilität und Energieverbrauch befragt – mit einigen interessanten Ergebnissen.

Check out the study results

Source: My Green IQ

The 27th session of the Permanent European Conference for the Study of the Rural Landscape, on “Mountains, uplands, lowlands. European landscapes from an altitudinal perspective” will be held from 5–9 September 2016 in Innsbruck and Seefeld, Tyrol/Austria.

All institutions, geographers, landscape architects, historians, ethnographers, archaeologists, ecologists, rural planners, landscape managers and scholars interested in European landscapes are invited to present abstracts for oral and poster proposals.

PECSRL particularly welcomes papers on comparative themes related to European mountain areas – be they comparisons between different mountain areas, between mountains and their adjacent areas or between highlands and lowlands – either with a topical or thematic, theoretical or methodological emphasis. They are also looking forward to submissions on topical issues of rural areas in Europe.

Deadline for abstracts is 2016-01-31.

Source: PECSRL call for oral and poster proposals

This PhD course explores the relationship between adaptation and transformation, two concepts that are key to understanding societal responses to climate change. It is organized by the University of Oslo and Future Earth Norway.

Source: PhD summer course: Climate Change Adaptation and Transformations towards Sustainability | Future Earth

We live in a world shadowed by the ongoing climate change crisis. This crisis is often conveyed using numbers and figures – rather than stories of human experiences. The changes proposed are often focused on economic or technological solutions – rather than moral or psychological aspects. Very little is said about the need to question our lifestyles, worldviews and relationships with the more-than-human world, in our response to climate change.

This is the third time The Sigtuna Foundation and CEMUS come together to host the Climate Existence conference. With this undertaking, we wish to create a transdisciplinary conversation that challenges how we talk and think about our role as humans in an era of climate change and ecological unravelling. 

The conference will also be an exploration of the interface between the worlds of academia and art, inviting a wide range of contributions that open up new ways of relating to the predicament we find ourselves in.

In short: We want to address how the current climate crisis relates to what is at the very core of our existence: to consider Climate Existence.

Source: Program – ClimateExistence Conference 2016 April 6-8 in Sigtuna

Stu's Blog

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Institute for Tourism and Leisure ITF

University of Applied Sciences HTW Chur

SelfAwarePatterns

Ponderings of science, philosophy, history, politics, and many other topics

Humboldt Journey

This is a blog about art and social sciences during our container journey in Cape Town.

Halt and Reflect

An open letter from scholars regarding global sustainability

Ideas for Sustainability

A blog by Joern Fischer and his collaborators on sustainability and landscape ecology: engaging your head and your heart

Bram Büscher

On the Natures of Political Ecology, Development and Change

Tobias Luthe

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